Die Anarchen
Die Modernen
#1
ANARCHEN



Seit Beginn ihrer Existenz gab es immer Vampire, die, mit dem Status Quo unzufrieden, ihre eigenen Träume verwirklichen wollten. Doch spätestens seit der Gründung der Camarilla gibt es dafür auch einen Namen: Die Anarchenbewegung. Im Großen und Ganzen eine zerstrittene, oftmals junge und lautstarke Ansammlung von Vampiren, die sich ihren Ahnen und Prinzen nicht fügten, sondern eine vampirische Utopie gründen wollten. Wobei es ungefähr so viele Vorstellungen der Art dieser Utopie gab, wie es einzelne Anarchen gab. Was neben der Macht der Ahnen sicherlich einer der Gründe ist, dass die Anarchen zumeist in der Unterzahl, schlecht organisiert und zwischen unterschiedlichen Ansprüchen an ihre Utopien gefangen waren.

Daher konnte man ihre Erfolge an einer Hand abzählen und deswegen galten sie offiziell als Teil oder Ableger der größeren und mächtigeren Camarilla und waren auf kurz oder lang doch deren Regeln unterworfen. Viele Prinzen betrachtete sie lange Zeit mit einem sanften Schmunzeln, sahen sie als die heißblütige Jugend unter den Vampiren, die ihre jungen Jahre des Chaos und der Selbstfindung brauchten, ehe sie sich in die Struktur des Elfenbeinturms fügen. Zumindest solange man nicht für zu viel Ärger sorgte. Und für viele Jahre fehlte den Anarchen tatsächlich die Macht - von einigen Ruhmestaten ausgenommen - aus diesem Kreis auszubrechen und sich als selbstständig zu etablieren. Makaber, bedenkt man dass diese Bewegung vielleicht die älteste der Sekten ist und durchaus einige formidable Ahnen vorzuweisen hat.

Dieses Bild hat sich jedoch seit dem zweiten Weltkrieg drastisch gewandelt. Es gibt so viele junge Vampire wie nie zuvor, und auch die Zahl der Caitif und Dünnblütigen steigt von Jahr zu Jahr an. Die Folge: Eine ungeahnte Stärkung der Anarchenbewegung, die genau für dieses Klientel eine Anlaufstation bildet. Zu Anfang schien es zwar, als würde dieser Zulauf an Mitgliedern wenig ändern, schließlich fehlte es weiterhin an Struktur und Organisation. Los Angeles, der Anarchen-Freistaat, blieb der einzige, zweifelhafte Erfolg im 20. Jahrhundert. Zweifelhaft, weil sich L. A. schon bald wieder von anderen Fraktionen erobert wurde. Doch wie sich zeigte hatten die mächtigen Ahnen, die sich schon zynisch lächelnd in ihren Machtzentren zurücklehnten, nicht mit dem Zufall gerechnet.

Gerade die zweiten Inquisition lieferte dem brodelnden Zorn der Anarchen den Grund für Aufstände auf der ganzen Welt. Allerorten gaben junge Anarchen der Camarilla die Schuld für das Morden, sahen in deren Strukturen den Grund für das Versagen sie zu schützen. Und nicht zuletzt verurteilten sie die neuen, noch strengeren Gesetze der Sekte, die nicht selten auch noch ihr eigenes Unleben bedrohte. Die Reaktion der Camarilla war noch mehr Strenge, noch grausamere Strafen, um die unverschämten Rebellen wieder auf Linie zu bringen. Und brachten damit eine Spirale der Eskalation in Gang. Die Camarilla hatte sich verkalkuliert... erneut, wie manch schadenfroher Anarch meinen mag.

Anstelle sich murrend geschlagen zu geben oder zeternd die Flucht zu ergreifen, boten die Anarchen der elitären Sekte offen die Stirn. Zusammen mit zwei schlagkräftigen Clans, die mit der Camarilla brachen und sich fortan den Anarchen anschlossen, stürzten sich die beiden Sekten endgültig in einen offenen Krieg. Und mitnichten steht fest, dass die Camarilla hierbei als Sieger hervorgeht.



Clans
Die Ideen der Anarchen finden heutzutage nicht nur unter jungen Vampiren und Flüchtlingen aller Camarilla-Clans Anklang, mittlerweile sind auch Großteile mancher Clans offiziell hinter dem Banner der Anarchen vereint:
  • Brujah, die temperamentvolle Speerspitze und nicht selten Wortführer der Anarchen
  • Gangrel, grimmige Einzelgänger die ihre Freiheit mehr als alles andere schätzen
  • Setiten, die mit ihrem obszönen Dogma die Moderne und deren Vampire erleuchten wollen
  • Caitiff, die ungewollten, wütenden und zahlreichen Underdogs der Vampirgesellschaft
  • Dünnblütige, die in den Anarchen ihre einzige Chance der Akzeptanz sehen
  • Tremere, nach dem Abstreifen ihrer Fesseln begierig darauf ihren eigenen Weg zu gehen*
* Nach der Zersplitterung der Tremere und ihre Aufteilung in alle drei Sekten ist die Anarchen-Fraktion des Clans nicht übermäßig zahlreich


Allgemeine Organisation
Anarchen organisieren sich immer noch meist lokal und gegeben den Umständen, die sich ihnen in einer Stadt bieten. Doch sie bilden keine Minderheit mehr und ihre Tage als lästige Störfaktoren sind auch gezählt. Ob Sabbat oder Camarilla, die Anarchen werden heutzutage von Beiden zu Recht als Bedrohung angesehen und üblicherweise bekämpft. Das jüngste Gesetz der Camarilla lässt zum Beispiel jeden Anarch als Todfeind gelten - ein Fakt, der die Anarchen nur noch enger zusammenrücken lässt.

Diese gemeinsame Front, aber vor allem auch der Zuwachs an Macht und Anzahl zwingt die Anarchen zunehmend dazu, sich doch irgendwie zu organisieren. Das gelingt ihnen allerdings dank des Internets und moderner Technologie, denen sie deutlich aufgeschlossener gegenüber stehen als die Camarilla, erstaunlich gut. Zwar gibt es immer noch die unterschiedlichsten Ziele und Vorstellung der gewünschten Utopie, doch solange sie gemeinsame Feinde zusammenschweißen scheinen sich die natürlich noch vorhandenen und ausgetragenen Rivalitäten zumindest auf einem nicht-selbstzerstörerischen Level zu halten. Im Großen und Ganzen haben sich oft zwei Organisationsformen oder Wege herauskristallisiert:

Pragmatisch Denkende und ältere Anarchen bilden manchmal ein System nach, dass der Camarilla relativ ähnlich ist. Anstelle eines Prinzen findet man einen Baron, wenngleich in größeren Städten oft mehrere mit eigenem "Hoheitsgebiet". Es kommt auf die Weltanschauung und auch ein wenig auf die Macht des jeweiligen Anarchenführers an, welche Regeln und Sitten er für sinnvoll erachtet. So können die Gesetze einer sogenannten Baronie je nach Thematik sowohl lockerer als auch wesentlich rigider als bei der Camarilla ausfallen

Dagegen stehen zumeist jüngere Anarchen und Vampire, die ein feuriges Temperament besitzen. Solche verabscheuen die Idee, eine "Pseudocamarilla" anstelle des Originals aufzubauen. Sie sind der Meinung, dass jeder tun und lassen soll, was er für richtig hält. Ein solches "System" führt meist dazu, dass eine Anarchen-Stadt zwischen vielen rivalisierende Anarchengangs mit eigenem Turf aufgeteilt ist. Manchmal weil die Gangs ähnliche Ansichten Teilen, manchmal weil ein charismatischer oder mächtiger Anführer die Leute um sich schart. Oft sind diese Gangs mindestens so sehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu bekriegen, wie sie sich gegen äußere Feinde verteidigen müssen. Letzteres lässt sie dann - zumindest in den heutigen Zeiten - allerdings doch noch eher eine kurzzeitige Allianz bilden, bevor sie alle vor die Hunde gehen.

Zwischen diesen beiden Hauptausprägungen gibt es einen unübersichtlichen Haufen aus weiteren verschiedenen Organisationsformen und bunten Mischungen aus allem zusammen. Zu guter letzt gibt es auch noch die Anarchen, die die Kontrolle einer Stadt generell als Tyrannei ansehen. Diese wilden Typen ziehen ein Leben auf der Straße allem anderen vor und sind ständig auf Achse. Sie leben sicherlich das freieste - und tödlichste - Unleben aller Anarchen.



Organisation in Charlotte
Charlotte und der Kahlschlag könnten sich als echter Glücksfall für die Anarchen erweisen, falls sie ihre Chancen richtig nutzen. Junge und risikofreudige Anarchen gehörten zu den ersten Vampiren, die sich nach dem Ereignis wieder in die Stadt wagten, und so bald werden sie sich nicht mehr verscheuchen lassen. Auch wenn sich erst noch herauskristallisieren muss wie die anarchische Utopie in Charlotte aussehen soll, haben besonders optimistische Anarchen bereits das "Zeitalter der Anarchen" ausgerufen.

Ein Optimismus, der einen gewaltigen Dämpfer bekommen hat, als der Kreuzzug vor der Stadt auftauchte und die ersten Anschläge begannen. Unversehens fanden sich die Freidenker der Anarchen in einen Belagerungssituation wieder, die sie zwingt sich mit ihren unliebsamen Konkurrenten zu beschäftigen um nicht zermalmt zu werden.


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