Gesetze der Vampire
#1
DIE TRADITIONEN DER CAMARILLA



Wie viele Gebräuche der Camarilla, sind die Traditionen weit älter als die Sekte selbst. Sie wurden in altvorderer Zeit von den Ahnen der Clans etabliert und bestimmten maßgeblich das kainitische Zusammenleben. Heute hält nur noch die Camarilla die Traditionen aufrecht, und nur noch einige zurückgezogene Ahnen außerhalb der Sekte erinnern sich an ihre Ursprünge.  

Man sollte den Begriff nicht missverstehen. Es handelt sich hierbei nicht um irgendwelche alten Traditionen und Moralismen, an die man sich halten kann oder nicht, je nach dem wie es einem gefällt. Die Traditionen sind absolute Grundsätze der Camarilla. Verstöße gegen sie haben immer Konsequenzen.

An viele der Traditionen halten sich auch die Anarchen, wie zum Beispiel die Maskerade, weil sie diese ebenfalls als elementar für das Überleben erachten. Über andere, wie zum Beispiel das Recht des Prinzen über die Nachkommenschaft zu entscheiden, rümpfen sie verächtlich die Nase (wie auch manche Clans). Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass viele Anarchen höchst unterschiedliche Ansichten davon haben, was im Einzelnen wichtig ist und was nicht.



1. Tradition: Die Maskerade
Das Herzstück der Traditionen, der Camarilla und sogar der allermeisten Anarchen überhaupt. Die Existenz der Vampire muss vor der sterblichen Welt verborgen bleiben. Punkt. Wer meint, in aller Offentlichkeit seine Fangzähnchen spielen zu lassen, schneller als der Intercity zu rennen oder mit Müllkontainern zu jonglieren, kann froh sein, wenn der endgültige Tod seine Strafe ist – vielen Prinzen fallen wesentlich grausamere Strafen ein, bedenkt man die Wichtigkeit der Maskerade für das Überleben der gesamten vampirischen Spezies.


2. Traditionen: Die Domäne
Früher war es einfach. Eine Stadt. Ein Prinz. Eine Domäne. Heute, im Zeitalter der Millionenstädte, in denen man teilweise mehrere hundert Vampire an einem Fleck versammelt vorfindet, ist die Einhaltung von Grenzen und Territorien schwieriger geworden. In den modernen Nächten kann alles eine Domäne sein – ein Stadtviertel, ein Straßenzug, eine pompöse Villa oder sogar der kleine schäbige Nachtclub des Brujah nebenan. Häufig werden ganze Städte immer noch als Domäne eines Prinzen angesehen – ihre gesamte Wirtschaftskraft inklusive. Doch die Verteilung innerhalb gestaltet sich, wie oben ersichtlich, ungleich schwieriger. Innerhalb einer Domäne hat deren Herr im Übrigen das sagen – Demokratie kennen die meisten Vampire nicht. Entsprechend fordern die meisten ein, dass man sich innerhalb ihrer Domäne an ihre Regeln hält. Und das alles, wo es schon schwierig genug ist, überhaupt herauszufinden, wo genau in der Stadt nun welcher Vampir seine Domäne gezogen hat. Schneller als man denkt übertritt man eine rote Linie...


3. Tradition: Die Nachkommenschaft
Zu viele junge Vampire sind eine Gefahr für die Maskerade. So lautet die offizielle Version. Das mag teilweise stimmen, aber mindestens genau so sehr fürchten die Älteren, dass sich die jungen zusammenrotten und gemeinsam gegen sie losschlagen. Oder ein Nebenbuhler eine Armee gegen sie aufstellt. Die Tradition der Nachkommenschaft wurde hierfür eingerichtet. Prinzen oder Primogen haben die Entscheidungsgewalt darüber, welcher Vampir wann und wie einen Nachkommen zeugen darf – geschweige denn, ob er es überhaupt jemals darf. Zuwiderhandlung bedeutet meist den zweiten Tod für Erschaffer und Kind – in der Camarilla ist man für die Taten seines Erzeugers verantwortlich und umgekehrt, bis das Küken freigesprochen wird.


4. Tradition: Die Freisprechung
Nach seiner Erschaffung verbleibt ein Nachkomme unter den Fittichen seines Erzeugers. Wie aus der 3. Tradition ersichtlich, ist dies mit einer beidseitigen Pflicht verbunden. Allerdings hat der Erzeuger in dieser Zeit oft freie Hand was die Erziehung oder Bestrafung des Kükens betrifft. Erst durch die Gewalt des Prinzen oder der Clansältesten kann der Nachkomme freigesprochen werden. In der Regel wird er dazu öffentlich vor eine Versammlung aller Vampire der Stadt geführt und von den Machthabern freigesprochen. Wenn er sich denn bewährt hat. Erst von da an gilt er als vollwertiger Vampir, als Neugeborener und sein Erschaffer ist nicht mehr für ihn verantwortlich – obwohl manche Missetaten des jeweils Anderen natürlich  den Ruf beider zerstören könnten.


5. Tradition: Die Gastfreundschaft
Selbst außerhalb der Camarilla wird diese Tradition noch oft befolgt. Die Tradition der Gastfreundschaft soll verhindern, dass Vampire sich zufällig gegenseitig auf die Füße treten und im schlimmsten Fall ein unnötiges Blutbad anrichten. Eine simple Vorstellung und das Anbieten eines kleinen Gefallens für den Aufenthalt oder die Durchreise durch eine Domäne reicht in der Regel aus, um den jeweiligen Machthaber zufrieden zu stellen. Oft ist die Angelegenheit mehr eine Formalität – nur um sicher zu stellen, dass man sich einander nicht sofort die Kehle aufreißt, wenn man sich zufällig in der Gasse trifft die einem der beiden als Gebiet zusteht. Doch manche Clans und Vampire legen sehr großen Wert auf diese Tradtion. Und nur ein lebensmüder Idiot oder jemand der etwas zu verbergen hat würde eine Stadt der Camarilla betreten, ohne vorher den örtlichen Prinz oder den Primogenrat aufzusuchen und vor diesem seine Ankunft kundzutun.



6. Tradition: Die Vernichtung
Beim Bruch gegen die vorherigen Traditionen ist es einem Prinzen oder den Primogenen erlaubt, den jeweiligen Vampir zu vernichten. Alle seine Nachkommen, so sie denn noch in derselben Domäne verweilen und keine blütenweise Weste haben, werden manchmal ebenfalls zum Tode verdammt. Man munkelt, das so etwaige Rachefeldzügen zuvor gekommen werden soll. Oft wird die Vernichtung in einer Blutjagd vollzogen, an der sich alle Vampire innerhalb der Domäne beteiligen sollen. Denn meistens hält der Verurteilte nicht die Füße still und erwartet ruhig sein Schicksal. Die Tradition der Vernichtung darf jedoch auch ein Erzeuger in Anspruch nehmen, der mit seinem Kind nicht zufrieden ist – bis zur Freisprechung durch den Prinzen darf er seine Brut jederzeit vernichten.
#2
DER CODEX VON MAILAND

Falls es so etwas wie eine allseits anerkannte "Verfassung" des Sabbat gibt, findet man sie im Codex von Mailand. Die Urfassung dieses Dokuments wurde kurz nach der Gründung des Sabbat in der gleichnamigen Stadt verfasst, seitdem jedoch ständig umgeschrieben. Die Bürgerkriege, in denen der Sabbat sich immer wieder selbst zerfleischte und hinter seine Ziele zurückwarf, waren Beweis genug, dass der Codex noch nicht voll ausreichte um die Stabilität der Sekte zu sichern. Vielleicht wird er das niemals. Der kürzliche Fall Mailands an die Camarilla durch die Hand desjenigen, der das Originaldokument des Codex aufbewahren sollte, spricht Bände. Doch er reicht aus, der Sekte eine ungefähre Richtung zu geben - vor allem aber ein gemeinsames Feindbild.




Der Wortlaut des Codex

I. Der Sabbat soll wie ein Mann hinter dem Regenten1 der Sekte stehen. Wenn nötig, soll ein neuer Regent gewählt werden. Der Regent soll Hilfe gegen Unterdrückung gewähren und allen Sabbatmitgliedern ihre Freiheit lassen.

II. Alle Sabbatmitglieder sollen ihr Bestes tun, um ihren Führern zu dienen, solange besagte Führer den Willen des Regenten umsetzen.

III. Alle Sabbatmitglieder sollen getreulich alle Auctoritas Ritae2 durchführen.

IV. Alle Sabbatmitglieder sollen untereinander ihr Ehrenwort halten.

V. Alle Sabbatmitglieder sollen Ihresgleichen gerecht und als Gleiche behandeln und so die Einheit und Stärke des Sabbats wahren. Wenn nötig, sollen sie für ihre Geschwister sorgen.

VI. Alle Sabbatmitglieder müssen um jeden Preis das Wohl der Sekte und der kainitischen Rasse über ihre eigenen, persönlichen Bedürfnisse stellen.

VII. Wer diesen Kodex nicht ehrt, verliert den Status eines vollwertigen Sabbatmitglieds und ist damit der Unterstützung durch eben solche nicht mehr würdig.

VIII. So wie es immer war, so soll es sein. Die Lextalionis3 soll das Vorbild für die unsterbliche Gerechtigkeit sein, der sich alle Sabbatmitglieder unterwerfen.

IX. Alle Sabbatmitglieder sollen sich gegenseitig vor den Feinden der Sekte schützen. Persönliche Feindschaften sollen persönliche Angelegenheiten bleiben, sofern sie nicht die Sicherheit der Sekte gefährden.

X. Alle Sektenmitglieder sollen das Territorium des Sabbats vor allen anderen Mächten beschützen.

XI. Der Geist der Freiheit soll das Grundprinzip der Sekte sein. Alle Sabbatmitglieder sollen Freiheit von ihren Führern erwarten und verlangen.

XII. Der Ritus der Monomazie4; soll praktiziert werden, um alle Streitigkeiten unter Sabbatmitgliedern beizulegen.

XIII. Alle Sabbatmitglieder sollen die Schwarze Hand5; unterstützen


Addenda zum Mailander Kodex

XIV. Alle Sabbatmitglieder haben das Recht, das Betragen und die Aktivitäten ihrer Sektenbrüder und -schwestern zu beobachten, um Freiheit und Sicherheit aufrecht zu erhalten.

XV. Alle Sabbatmitglieder haben das Recht, eine Versammlung von Ihresgleichen und ihren unmittelbaren Vorgesetzten einzuberufen.

XVI. Alle Sabbatmitglieder sollen gegen Sektenmitglieder vorgehen, die die ihnen vom Sabbat überlassene Macht und Autorität auf Kosten des Sabbat zum persönlichen Vorteil nutzen. Ein solches Verfahren darf nur auf einem Wege durchgeführt werden, den ein Quorum von Prisci6; genehmigt hat



Lexikon

1Regent : Oberstes Amt im Sabbat. Die derzeitige Regentin der Sekte residiert in Mexiko Stadt.

2Auctoritas Ritae : Die höchsten und bindenden Sabbatrituale, die von jedem Mitglied regelmässig durchgeführt werden müssen.

3Lextalionis : Eine Blutjagd. Ein Vampir wird für Vogelfrei erklärt und jeder muss bei seiner Vernichtung mithelfen.

4Monomazie : Offizeller und rituell stark ausgeschmückter Zweikampf, meist bis zum Tode und eher von den ranghöheren Sabbatmitgleidern praktiziert. Ob eine Schmähung ausreicht um zur Monomazie zu schreiten und nach welchen Regeln wird von Priestern oder höheren Sektenmitgliedern beurteilt.

5Schwarze Hand : Eine militärische Spezialeinheit des Sabbat, angeblich mit ihren eigenen internen Regeln, Ritualen und Treueschwüren.

6Priscus (Plural: Prisci) : Altehrwürdige. Berater der Erzbischöfe und höherer Sabbatführer, meist ohne direkte politische Macht, dafür jedoch enormen inoffiziellem Einfluss.


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